Deckungsfähigen local cost-Anteil erhöhen!

@shutterstock

Die OECD-Regelung wurde zuletzt 2008 geändert und wartet nun seit vielen Jahren auf die erneute Anpassung an die heutigen Realitäten der globalisierten Exportwelt.

Aus Sicht des VDMA-Großanlagenbaus sind mit Blick auf die hohe Komplexität des anstehenden Reformprozesses vor allem diejenigen Maßnahmen kurzfristig umzusetzen, die bereits seit langer Zeit in der Diskussion stehen, aber erste wichtige Schritte zur Wiedererlangung gleicher Wettbewerbsbedingungen darstellen.

Neben der Einführung eines leicht zu definierenden, transparenten und vorhersehbaren CIRR6 ist es die dringende Erhöhung des derzeitigen deckungsfähigen Anteils an lokalen Kosten auf 50 % des Gesamtumfangs eines Exportauftrags. Denn diese OECD-Regelung wurde zuletzt 2008 geändert und der VDMA-Großanlagenbau wartet nun seit einigen Jahren auf die erneute Anpassung an die heutigen Realitäten der globalisierten Exportwelt. 

Worum geht es?

An den Konsensus gebundene Exportkreditagenturen (ECA) wie etwa Euler Hermes, sind aktuell auf die Mitfinanzierung von lokalen Kosten in Höhe von maximal 30 % des Exportvertragswerts beschränkt – dies entspricht 23 % nach der deutschen Definition, die vom Gesamtvertragswert ausgeht. Nicht an den Konsensus gebundene ECAs, wie z.B. die chinesische Sinosure können dagegen vorteilhaftere Konditionen gewähren. Doch mit jedem an China verlorenen Großauftrag verliert der Anlagenbau auch ein Stück Wertschöpfung und letztendlich Arbeitsplätze.

 

Fertigungskapazitäten und Know-how wurden in vielen Schwellenländern deutlich ausgebaut, so dass diese mittlerweile selbst Exportnationen geworden sind. Hinzu kommt, dass der politische Wille zur stärkeren wirtschaftlichen Partizipation an lokaler Wertschöpfung bei solchen Geschäften gewachsen ist, was sich in Ausschreibungsanforderungen zur Lokalisierung wiederspiegelt. Es sind also die konkreten Bedingungen der Länder, in denen Großprojekte realisiert werden, die dazu führen, dass wesentliche Liefer- und Leistungsanteile des Exportauftrags direkt vor Ort in den Zielländern der Exporte erbracht werden (müssen). Zudem liegt es seit jeher in der Natur des Projektgeschäfts im Großanlagenbau, dass eine Industrieanlage nur im Zielland final errichtet werden kann. Und die Finanzierung dieser lokalen Wertschöpfung ist heute eine zentrale Anforderung an die Projektträger. 

Eine Erhöhung des deckungsfähigen Anteils an lokalen Kosten auf 50 % des Gesamtumfangs eines Exportauftrags ist deshalb nicht nur eine Anpassung an die heutige Marktrealität, sondern stärkt unmittelbar die Wettbewerbsfähigkeit des in der OECD ansässigen Anlagenbaus.
 

[1] Corporate Interest Reference Rate.